St. Leonhard in Penk bewahrt und neu erschlossen

Wie Forschung, Denkmalpflege und bürgerschaftliches Engagement einer der ältesten Landkirchen Süddeutschlands eine Zukunft geben

Stephanie Sauner Serden

Klein ist St. Leonhard in Penk nur in seinen Abmessungen. In seinem Mauerwerk, im Boden und in seiner Ausstattung verdichten sich rund zwölf Jahrhunderte Orts-, Kirchen- und Baugeschichte. Nach der umfassenden Instandsetzung ist das „Penker Kircherl“ wieder geöffnet. Möglich wurde dies durch Forschung, Fachplanung, öffentliche Förderung und vor allem durch Menschen, die über Jahre nicht lockergelassen haben. [2, 3]

Am 26. September 2026 wurde die sanierte Kirche mit einem Festgottesdienst und einer anschließenden Besichtigung wiedereröffnet. Die Veranstaltung brachte jene Perspektiven zusammen, die bei einem Denkmalprojekt dieser Größenordnung ineinandergreifen müssen: Kirchenverwaltung, Bau- und Restaurierungsfachleute, Wissenschaft, Politik, Kommune und Ehrenamt. Zu den Rednern und Mitwirkenden gehörten unter anderem Pfarrer Norbert Pabst, Kirchenpfleger Stefan Hechenrieder, die Bauforscherin und Denkmalpflegerin Sigrid Engelmann, Architekt Michael Feil sowie der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt. [2–4]

Datierung eines “gewachsenen Bauwerks”

Die amtliche Denkmalliste erfasst St. Leonhard in knapper Form als Chorturmkirche aus Bruchsteinmauerwerk. Sie nennt ein ottonisches Langhaus um 1000 und datiert den Chorturm dendrochronologisch auf 1422/23. Ein separater Bodendenkmaleintrag verzeichnet im Bereich der Kirche archäologische Befunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit, darunter Spuren von Vorgängerbauten oder älteren Bauphasen. Eine ausführliche Baugeschichte enthält die Liste nicht; die weiter zurückreichenden Datierungen und Deutungen stammen aus den bauhistorischen und archäologischen Untersuchungen. [1]

Wie weit diese Geschichte zurückreicht, wurde erst durch die Forschungen der vergangenen Jahre deutlich. Sigrid Engelmann untersuchte 2010 im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Universität Bamberg die Baugeschichte. Ihre Ergebnisse lösten die ältere Vorstellung ab, die Kirche sei als einheitlicher Bau des 13. Jahrhunderts entstanden. Bei den archäologischen Untersuchungen von 2013 unter Leitung von Dr. Mathias Hensch kamen im Innenraum Spuren von mindestens zwei hölzernen Vorgängerbauten des fortgeschrittenen 8. und 9. Jahrhunderts zutage. Der jüngere Holzbau lässt sich nach Hensch sicher als Sakralbau ansprechen; auf ihn folgte um 900 ein steinerner Saalbau, dessen Raumgestalt im heutigen Langhaus in wesentlichen Teilen fortlebt. [2]

Diese Befunde machen St. Leonhard zu einem seltenen Zeugnis früher ländlicher Kirchenarchitektur. Zugleich mahnen sie zu wissenschaftlicher Genauigkeit: Die Datierung einzelner Bauphasen wurde im Lauf der Untersuchungen präzisiert. Gerade darin zeigt sich die Stärke interdisziplinärer Denkmalforschung. Bauaufnahme, Restaurierungswissenschaft, Dendrochronologie und Archäologie liefern keine dekorative Begleitgeschichte, sondern die Grundlage für Entscheidungen am Bestand. [2]

St. Leonhard ist kein Monument aus einem Guss. Das Langhaus, der spätmittelalterliche Turm, historische Putze und Dachwerke, Bodenbefunde und Ausstattungsstücke erzählen von wiederholtem Umbau, Reparatur und veränderter Nutzung. Bei der Wiedereröffnung verwies Hensch deshalb treffend auf ein „Geschichtsbuch aus Stein“: Seine Seiten bestehen aus Mauerfugen, Schwellen, Bestattungen, Oberflächen und Nutzungsspuren. Sie zu lesen, verlangt unterschiedliche Fachsprachen – und die Bereitschaft, auch Unsicherheiten auszuhalten. [2]

Für Museen und Kultureinrichtungen ist diese Sichtweise besonders produktiv. Sie verschiebt den Fokus vom vermeintlich unveränderten Original hin zur Objektbiografie. Authentisch ist ein Denkmal nicht deshalb, weil es einen einzigen idealen Zustand konserviert. Authentisch wird es in der nachvollziehbaren Überlieferung seiner Veränderungen. Die Spuren späterer Generationen sind damit nicht bloß Störungen, sondern Teil der historischen Aussage.

Konservieren statt erneuern

Innenraum Kirch Penk St. Leonhard

Foto: Stephanie Sauner Serden

Als sich der bauliche Zustand zunehmend verschlechterte, waren Feuchtigkeit, Putzschäden und Schädlingsbefall nicht länger zu übersehen. Im Frühjahr 2025 begann die eigentliche Gesamtinstandsetzung; abgeschlossen wurde sie zur Wiedereröffnung im September 2026. Die Gesamtkosten lagen bei rund 1,3 Millionen Euro. Michael Feil koordinierte die Gesamtmaßnahme, Stefan Hechenrieder begleitete sie als Kirchenpfleger organisatorisch und finanziell. [2]

Zu den anspruchsvollen Arbeiten gehörten die Instandsetzung des Kirchenschiffs und die Sanierung des Turmdachs. Am Langhaus ließ sich ein großer Teil der historischen Biberschwanzziegel wiederverwenden. Am Turm waren neue Mönch-Nonnen-Ziegel erforderlich; ihre Auswahl orientierte sich am Erscheinungsbild von 1914. Auch die kleine Gaube an der Südseite des Turms konnte wiederhergestellt werden. [6]

Besonders sensibel war der Umgang mit den historischen Putzen. Die Voruntersuchungen einer Studierendengruppe der Hochschule für Bildende Künste Dresden unter Leitung von Prof. Thomas Danzl hatten 2012 wichtige Grundlagen geschaffen. Bei der Wiedereröffnung wurde hervorgehoben, dass das mittelalterlich geprägte Erscheinungsbild bewahrt und die historische Substanz möglichst weitgehend erhalten werden sollte. Auch die dauerhaft vorhandene Feuchte gehörte zu den komplexen Aufgaben, die in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege bearbeitet wurden. [2]

Der Förderverein als Motor

Dass es überhaupt zu dieser Instandsetzung kam, ist eng mit dem Förderverein Penker Kircherl e. V. verbunden. Er wurde im Mai 2009 gegründet, um den Erhalt der Kirche ideell und finanziell zu unterstützen. Benefizveranstaltungen und Spendenakquise waren dabei nur ein Teil der Arbeit. Der Verein machte das bedrohte Denkmal sichtbar, stieß Untersuchungen zur Baugeschichte an und brachte Verantwortliche aus Kirche, Kommune, Fachbehörden und Politik an einen Tisch. Unter dem Vorsitz von Josef Biersack hielt er das Ziel auch in Phasen fest, in denen das Projekt nicht vorankam. [2, 7, 8]

Diese Rolle ist für Denkmalfördervereine typisch und zugleich leicht zu unterschätzen. Sie beschaffen nicht nur Mittel. Sie übersetzen zwischen lokaler Bindung und fachlichen Anforderungen, organisieren Öffentlichkeit, sichern Wissen und schaffen langfristige Akzeptanz für Entscheidungen, die oft erklärungsbedürftig sind. In Penk wurden so aus Weinfesten, Führungen, Gesprächen, Forschungskontakten und beharrlicher Gremienarbeit einzelne Bausteine eines gemeinsamen Vorhabens. [2, 7]

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bezeichnet erfolgreiche Denkmalpflege ausdrücklich als gesellschaftliche Aufgabe, die nur im Zusammenwirken staatlicher und bürgerschaftlicher Kräfte gelingen kann. Eine bayernweite Erhebung unterstreicht die Bedeutung dieser Struktur: 2022 war der eingetragene Verein mit 62 Prozent die häufigste Rechtsform des Engagements in der Baudenkmalpflege. Fördervereine sind damit kein Ersatz für professionelle Denkmalpflege. Sie schaffen vielmehr die lokale Ausdauer, den Rückhalt und häufig auch die finanziellen Spielräume, ohne die fachliche Konzepte nicht umgesetzt werden können. [9, 10]

Votivgaben zwischen Glaubenspraxis und Objektgeschichte

Zu den besonderen Zeugnissen aus St. Leonhard gehören geschmiedete eiserne Votivgaben. Solche Objekte stehen für eine konkrete religiöse Handlung: Menschen verbanden Bitte, Dank oder ein Gelübde mit einer materiellen Gabe. Im Umfeld des heiligen Leonhard, der besonders als Patron der Gefangenen sowie später auch des Viehs und der bäuerlichen Lebenswelt verehrt wurde, begegnen häufig kleine Eisenfiguren in Tier- oder Körperformen. [8, 11]

Im neuen Andachts- und Informationsbereich werden ausgewählte Formen dieser Votivgaben durch unsere Repliken wieder anschaulich. Ihre Aufgabe ist nicht, die Originale zu ersetzen. Sie eröffnen vielmehr einen zusätzlichen Zugang zur historischen Praxis: Form, Maßstab und handwerkliche Anmutung lassen sich unmittelbar erfassen, während die empfindlichen oder wissenschaftlich relevanten Originalfunde konservatorisch geschont werden können. [4]

Gerade für kleine Kirchenräume zeigt sich hier das Potenzial hochwertiger Repliken. Sie können eine schwer zugängliche Objektgeschichte in den Raum zurückholen, ohne den Ort in ein klassisches Museum zu verwandeln. Je nach Vermittlungskonzept dürfen Repliken betrachtet, verglichen oder gegebenenfalls auch ertastet werden. Damit unterstützen sie barriereärmere Angebote, Hands-on-Formate und die verständliche Vermittlung von Materialität. Entscheidend ist die transparente Kennzeichnung: Replik und Original müssen in ihrer jeweiligen Funktion klar benannt bleiben.

Repliken von Votivgaben, Kirche St. Leonhard Penk

Foto: Von Polyreels Replica gefertigte Repliken der Votivgaben, Stephanie Sauner Serden

Wieder offen für Glauben, Kultur und Begegnung

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten endet die Aufgabe nicht. Die Kirchenverwaltung möchte St. Leonhard tagsüber offenhalten. Gottesdienste, Andachten, Taufen und Trauungen sollen ebenso möglich sein wie Führungen, kleine Konzerte und Lesungen. Ein außen angelegter Informationspunkt erschließt die Bau- und Nutzungsgeschichte; der Andachtsbereich im Inneren verbindet die Verehrung des Kirchenpatrons mit Informationen und den Repliken der Votivgaben. Für dieses Vermittlungsangebot wurden zusätzliche Mittel aus einem Sonderfonds des Bayerischen Landtags bereitgestellt. [2, 4, 12]

Bei der Wiedereröffnung beschrieb Tobias Gotthardt die Kirche als einen Raum, der Menschen Halt und Kraft geben könne. Darin liegt mehr als ein feierlicher Wunsch. Ein instandgesetztes Denkmal braucht eine tragfähige Nutzung, regelmäßige Aufmerksamkeit und Menschen, die sich zuständig fühlen. Öffnung und Vermittlung sind deshalb selbst Formen der Prävention: Ein wahrgenommenes, verstandenes und genutztes Gebäude hat bessere Chancen, auch künftig gepflegt zu werden. [2]

Was Penk für die Denkmalpflege zeigt

St. Leonhard macht sichtbar, dass Denkmalpflege weder allein aus Fachplanung noch allein aus Begeisterung besteht: Forschung klärt die Bedeutung. Restaurierung und Handwerk sichern die Substanz. Behörden und Fördergeber schaffen Rahmenbedingungen. Ein Förderverein hält das Thema über Jahre öffentlich präsent. Freiwillige organisieren Veranstaltungen, sammeln Spenden und vermitteln zwischen Institution und Ort. Erst im Zusammenspiel entsteht aus Schutz ein lebendiger kultureller Auftrag.

Für Museen, Sammlungen und andere Kultureinrichtungen ist Penk deshalb ein aufschlussreiches Beispiel. Das Projekt verbindet Bauwerk, Bodenarchiv, Ausstattung und immaterielle Praxis. Die Repliken der Votivgaben veranschaulichen eine historische Glaubenspraxis: Sie zeigen, wie Menschen ihre Bitten, Hoffnungen und ihren Dank in materiellen Gaben zum Ausdruck brachten. So wird aus der bewahrten Kirche kein stillgestelltes Relikt, sondern ein zugänglicher Ort des Wissens, der Erinnerung und der Begegnung.

Wer die Forschung und Sanierung vertiefen möchte, findet voraussichtlich ab November 2026 eine ausführliche Darstellung in dem angekündigten Band „Sankt Leonhard Penk - Erforschung und Sanierung einer Kirche“. Das Buch führt die Erkenntnisse zur Baugeschichte und die Erfahrungen der Gesamtinstandsetzung zusammen. [4]



Quellen und weiterführende Hinweise

Neuerscheinung: Sankt Leonhard Penk. Erforschung und Sanierung einer Kirche. ISBN 978-3-912379-09-9

[1] Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. Denkmalliste Markt Nittendorf, Stand 15. September 2026, Eintrag zum Baudenkmal D-3-75-175-15 auf PDF-Seite 2 und zum Bodendenkmal D-3-6937-0136 auf PDF-Seite 7. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[2] Eröffnungsveranstaltung St. Leonhard in Penk. unveröffentlichtes, vom Auftraggeber bereitgestelltes Transkript der Redebeiträge vom 26. September 2026.

[3] Bistum Regensburg. Feierliche Wiedereröffnung, Ankündigung vom 31. August 2026. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[4] Projektinformation des Auftraggebers. Angaben zu den beteiligten Personen, zu den Repliken ausgewählter Votivgaben, ihrer Einbindung in den Andachts- und Informationsbereich sowie zur angekündigten Buchpublikation, Oktober 2026.

[5] Mathias Hensch. Den Ursprüngen des Penker Kircherls auf der Spur. Archäologie in einer der ältesten Kirchen Bayerns. In Das archäologische Jahr in Bayern 2013, Stuttgart 2014, Seiten 140 bis 143.

[6] Holzbau Semmler GmbH. Kirchensanierung Penk, Projektdokumentation vom 23. Januar 2026. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[7] Kunst Litera Tour. Nittendorf Penker Kircherl, Bericht zum Engagement des Fördervereins. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[8] Landratsamt Regensburg. Penker Kircherl, touristische Objektinformation, zuletzt geändert am 24. November 2025. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[9] Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. Ehrenamt und Engagement. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[10] Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. Engagement in der Baudenkmalpflege, Denkmalpflege Informationen 184, 2024. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[11] bavarikon und Historischer Verein Neuburg an der Donau. Eiserne Schmiedearbeit, Bodenfund, vermutlich Votivgabe in Form einer menschlichen Figur, Objektbeschreibung von Dr. Stephan Bachter. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

[12] Tobias Gotthardt. Sonderförderung für das Kircherl in Penk, Information zum Zuschuss für den Informationsbereich. Onlinequelle (abgerufen am 10. Oktober 2026).

Weiter
Weiter

Wenn zehn Tasten Geschichte tragen